taotime – freeman editions

Lancierung der taotime – freeman editions

Der 1978 ver­stor­bene, welt­be­rühmte Kin­der­buch­au­tor Don Free­man hat über fünf­und­zwan­zig Kinder‐ und Ju­gend­bü­cher ge­schrie­ben und ge­zeich­net. Welt­ruhm er­langte er mit Cor­duroy, der rüh­ren­den Ge­schichte ei­ner Be­zie­hung zwi­schen ei­nem Ted­dy­bä­ren und ei­nem Mäd­chen. Heute er­le­ben seine Bü­cher ein Re­vi­val, be­son­ders im an­gel­säch­si­schen Be­reich, aber auch im fer­nen Osten wie Ja­pan, Ko­rea und China. Auf­grund der acht­sa­men Grund­hal­tung, die sämt­li­che Werke von Don Free­man durch­dringt, hat sich der taotime ver­lag ent­schlos­sen, un­ter der Sparte taotime – free­man edi­ti­ons Bü­cher von Don Free­man her­aus­zu­ge­ben. Dar­un­ter be­fin­den sich auch Trou­vail­len aus dem Nach­lass, die noch nie pu­bli­ziert wor­den sind. 

Die Tra­di­tion poe­ti­scher Bil­der­ge­schich­ten wer­den heute von Dons Sohn, Roy Free­man, wei­ter­ge­führt. Roy Free­man be­dient sich ei­ner ganz spe­zi­el­len Mal­tech­nik, ei­ner Art Mar­mo­rier­misch­tech­nik auf der Ba­sis von ver­dünn­ter Öl‐ und Acryl­farbe. An sich ist diese Tech­nik nichts Neues, aber er ent­wickelte die­ses Ver­fah­ren in ei­nem jah­re­lan­gen Pro­zess wei­ter in fas­zi­nie­rende Di­men­sio­nen. Diese Art von Bil­dern die­nen auch als Grund­lage für seine poe­ti­schen Märchen‐ und My­then­bü­cher.

Über seine Ma­le­rei sagt Roy Free­man:

Wenn ich male, fühle ich mich oft als Werk­zeug, wel­ches zum Ur­bild­ma­cher ge­hört, der die Bil­der aus dem Un­end­li­chen in un­sere Zeit und Welt schickt. So wan­delt sich mein Mal­tisch in eine Art al­che­mi­sti­sches La­bor um. Dort wer­den meine Lau­nen, Emo­tio­nen, und Men­schen­ge­fühle mit Kom­po­nen­ten aus dem All zu ei­ner ge­nau be­stimm­ten Zeit ver­mischt und zu Gold oder Mist ge­backen. Bil­der ma­chen wir alle. Ich bin ein­fach ei­ner, der zwi­schen Vi­sion und Pa­pier hin­ein­ge­stürzt ist.

So fing es an


The Masks – A Pic­ture Pan­to­mime

Ende 2017 wurde mit The Masks – A Pic­ture Pan­to­mimedem Pu­bli­kum eine un­ver­öf­fent­lichte Bil­der­ge­schichte erst­mals prä­sen­tiert. In die­sem klei­nen, bi­blio­phi­len Büch­lein schil­dert Free­man in schlich­ten Bil­dern und ohne Worte eine Be­ge­ben­heit, in der Freud und Leid auf­ein­an­der­tref­fen und Mit­ge­fühl zum hei­te­ren Ende führt. Die Erst­aus­gabe zeigt den Il­lu­stra­tor auf der Höhe sei­nes Schaf­fens. In ein­fach­sten Stri­chen skiz­ziert, be­geg­nen sich zwei Mas­ken – das al­leine ge­nügt, um in der Ma­nier der Com­me­dia dell’arte eine un­ge­ahnte Ver­dich­tung von Ge­füh­len und Re­gun­gen ent­ste­hen zu las­sen.

Die Her­stel­lung in Gold und Schwarz stellte druck­tech­nisch eine Her­aus­for­de­rung dar, bis die Bil­der die fei­nen Ge­fühls­re­gun­gen der Mas­ken zu wi­der­spie­geln ver­moch­ten.


Tse­rem­saaks – Der Fi­scher, der vom Wal das Tan­zen lernt

 

Die Le­gende be­schreibt den Ur­sprung des Wal‐Kultes vom ka­na­di­schen Stamm Tsimshian. Die Bil­der von Roy Free­man evo­zie­ren ein tie­fes Echo zum Thema Mensch und Na­tur. Sie re­gen die Fan­ta­sie an und las‐ sen die Sze­nen der Ge­schichte mit ih­ren Ge­stal­ten au‐ fle­ben. Ein Buch zum Ver­wei­len für Klein und Groß.


Lach doch!

 

Eine Wei­ter­ent­wick­lung von The Maskszum Kin­der­buch stellt das erst­mals auf Deutsch er­schei­nende Büch­lein mit dem Ti­tel Lach doch!dar. Eben­falls in Gold und Schwarz er­zählt Don Free­man von ei­nem Kö­nig, der nicht mehr la­chen kann und dem Hof­narr mit Ver­ban­nung droht, falls er ihn nicht zum La­chen bringe. Erst als der Narr dem Kö­nig den Spie­gel vor­hält, ge­rät die­ser ins Schmun­zeln. Dann ge­rät der Narr in die Rolle des Kö­nigs und wird von Trauer heim­ge­sucht …

Mit psy­cho­lo­gi­schem Fein­ge­spür zeigt der Au­tor auf, wie nahe Selbst­er­kennt­nis und Hei­ter­keit bei­ein­an­der lie­gen. Wer die­ses Büch­lein öff­net, kommt un­wei­ger­lich selbst ins Schmun­zeln, wenn er die Mi­mik der Prot­ago­ni­sten auf sich wir­ken lässt.


Waldi und der rote Schal

Eben­falls als deut­sche Erst­aus­gabe ist das Kin­der­buch mit dem Ti­tel
Waldi und der rote Schalim März 2018 her­aus­ge­kom­men. Die Ge­schichte be­ginnt so:

An ei­nem frü­hen Herbst­mor­gen setzte sich Mut­ter Eich­hörn­chen mit ih­rem Bub Waldi hin,
um mit ihm zu re­den.

Höch­ste Zeit, dass du raus­gehst und lernst, wie du al­leine Ei­cheln sam­melst”, sagte sie.

Wal­dis er­ste Ver­su­che zei­gen aber sei­ner Mut­ter, dass er auf be­stem Wege ist, das ver­wöhn­te­ste Eich­hörn­chen der Welt zu wer­den. Schliess­lich macht Waldi sich mit­ten in der Nacht auf, seine In­itia­ti­ons­reise als Ei­cheln­samm­ler an­zu­tre­ten. Stets höf­lich und mit Glück ge­seg­net, tappt er von Ge­fahr zu Ge­fahr, um als klei­ner Held seine Be­stim­mung zu fin­den.

Aus dem Leben von Don Freeman

Don Free­man wusste be­reits im Al­ter von sie­ben Jah­ren, dass er Künst­ler wer­den wollte. Bunt­stif­ten und al­lem, was er in die Fin­ger be­kam, be­gann er früh, seine ein­fühl­same Sicht auf die Welt um ihn herum zu ent­wer­fen. Sein künst­le­ri­sches Ta­lent wurde von der Groß­mutter ge­för­dert, die ihm ein Ge­schenk für sei­nen Highschool‐Abschluss über­reichte: ei­nen Som­mer­kurs an der San Diego School of Fine Arts. Dort lernte er eine wei­tere auf­stre­bende Künst­le­rin ken­nen, Ly­dia Coo­ley, die spä­ter seine Frau wer­den sollte. Fest ver­wur­zelt in sei­nem künst­le­ri­schen Stre­ben, ging Free­man nach New York, um bei John Sloan und Harry Wickey an der Art Stu­dents League zu stu­die­ren.

Seine Lei­den­schaft für die Kunst um­fasste auch das New Yor­ker Thea­ter, wo Free­man sich oft mit dem Skiz­zen­buch in der Hand hin­ter die Bühne be­gab, um die Schau­spie­ler und al­les, was auf und ab­seits der Bühne ge­schah, zu skiz­zie­ren und zu zeich­nen. Kein an­de­rer Künst­ler hat das Theater‐leben von New York City so treu und sen­si­bel auf­ge­nom­men wie Don Free­man. Doch erst ein glück­li­cher Zu­fall ver­an­lasste Free­man, seine Thea­ter­zeich­nun­gen bei den Zei­tun­gen ein­zu­rei­chen. Kaum je­mand ahnte da­mals, was für eine künst­le­ri­sche Gold­mine sich in sei­nen Skiz­zen­blöcken barg. Um mit die­sem Skiz­zen­buch in der Hand durch die Stadt wan­dern zu kön­nen, ar­bei­tete Free­man nachts als Tanzband‐Musiker, spielte Trom­pete in Nacht­clubs und bei Hoch­zei­ten.

Ei­nes Nachts, auf dem Heim­weg von der Ar­beit, liess Free­man seine Trom­pete in der U‐Bahn lie­gen. Nach die­sem Vor­fall ent­schied er sich, dass es an der Zeit war, al­leine von sei­nen Skiz­zen zu le­ben. Seine scharf­sin­ni­gen Ein­drücke der Broadway‐Szene er­schie­nen in den Theater‐Seiten der Blät­ter The He­rald Tri­bune, The New York Times, The Chri­stian Sci­ence Mo­ni­torund Thea­ter Ma­ga­zineso­wie in an­de­ren Zeit­schrif­ten und Zei­tun­gen. In den fol­gen­den Jah­ren il­lu­strierte er für Wil­liam Saroyan und Brooks At­kin­son. Er steu­erte auch Il­lu­stra­tio­nen zu Ja­mes Thur­bers The White Deerbei. In den 1930er und 1940er Jah­ren hielt er den Geist und die Es­senz des All­tags­le­bens von New York City und ge­le­gent­lich auch von Hol­ly­wood fest und druckte in die­ser Zeit eine ei­gene Pu­bli­ka­tion, den News­stand, den er als “One man’s Man­hat­tan” be­zeich­nete. Viele sei­ner Li­tho­gra­phien und Ra­die­run­gen in li­mi­tier­ter Auf­lage so­wie die Off­set­drucke für den Ki­oskwer­den von Samm­lern auf der gan­zen Welt hoch ge­schätzt.

Don war eine ge­sel­lige Per­sön­lich­keit. Er und Ly­dia ha­ben viele Freunde in New York ge­fun­den. Viele von ih­nen hat er auch in Zeich­nun­gen und Skiz­zen ver­ewigt, dar­un­ter Beau­ford De­la­ney, Al Hirsch­feld, Je­rome My­ers, Kay Thomp­son, Louis Arm­strong, Le­on­tyne Price, Esther Goetz oder Ge­orge Mc­Coy.

 Ab 1951 be­gann Don Free­man, ei­gene Bü­cher für Kin­der zu schrei­ben und zu il­lu­strie­ren. So ent­stan­den über fünf­und­zwan­zig Kinder‐ und Ju­gend­bü­cher, teils auch un­ter Mit­wir­kung sei­ner Ehe­frau  Ly­dia, die eben­falls eine voll­endete und ge­ach­tete Künst­le­rin war. Welt­be­kannt wurde Don Free­man mit der Ver­öf­fent­li­chung von Cor­duroy, der Ge­schichte über die Be­zie­hung zwi­schen ei­nem Ted­dy­bä­ren und ei­nem Mäd­chen.

1978 starb Don Free­man in New York nach ei­nem rei­chen und er­füll­ten Le­ben. Im Herbst 2018 ist eine um­fas­sende Aus­stel­lung im Mu­seum of the City of New York zu sei­nem Le­bens­werk ge­plant.

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